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Nachfolgend könnt Ihr unsere immer wieder interessanten Berichte aus dem Vereinsleben lesen (diese sind teilweise mit Fotos aus unserer Galerie verknüpft, sofern vorhanden ...). Aufgrund unserer vielen unterschiedlichen Aktivitäten sind die Berichte nach Jahren unterteilt.

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Vom Stilrudern und anderen alten Ruderbräuchen

... von Ute Baunack

Lübeck – altehrwürdige Hansestadt, leckeres Marzipan, eine Altstadt, die mit dem Ruderboot in 7 km zu umfahren ist, Sommer im August und das Versprechen des Bootswarts, dass gepflegte Boote darauf warten, probiert zu werden – was kann es Schöneres geben? Das dachten sich 4 Unerschrockene: Winfried, Katharina, Harald und meine Wenigkeit. Ein organisatorisches Unglück auf dem Weg nach Island führte für Ivy dazu, dass auch sie kurzfristig Lübeck als verlockende Alternative in Betracht zog – so war der Vierer mit komplett.

Uns empfing der freundliche Ruderwart des Lübecker Ruder-Klubs (Vereinsfarbe Rot) und teilte uns von der beeindruckenden Armada die Hüxtertor (E-Vierer) und den Schlafplatz im sehr geräumigen Fitness-Raum zu. Wir erhielten auch einen Einführungskurs in die Klubpolitik. Die Gebäude werden sowohl vom Männer- als auch vom Frauenruderklub genutzt, diese sind jedoch völlig getrennt voneinander. Die Umkleide mit Duschen und Sauna lagen nebeneinander. Dazwischen hing eine altehrwürdige Karte der Umgebung von Lübeck aus Vorwendetagen, auf der Mecklenburg-Vorpommern als Niemandsland dargestellt war. Nach ausgiebiger Inspektion der relativ neuen und modernen Örtlichkeiten wurden freiwillig die Ecken des Fitness-Raumes durch die Schlafwütigen gestürmt. Vor dem Schlafengehen fanden sich alle noch einmal in der Mitte des Raumes zusammen, und wir lauschten Ivys Vorträgen aus der Geschichte und von existierenden Bräuchen der uns beherbergenden Rudervereine, die lesenswert im Internet veröffentlicht sind: http://www.luebecker-ruderklub.de/ueber-den-lrk/wir-ueber-uns/; http://www.luebecker-frauen-ruderklub.de. Unser Bootswart gab auch Geschichten von den ersten Ruderinnen zu Gehör, welche nicht an Regatten teilnehmen durften. Dafür wurde „schön und anmutig“ gerudert, und es gab sogar bis in die 1960er Jahre Stilrudermeisterschaften.

Der frühe Vogel fing die ersten Sonnenstrahlen ein. Und so machten wir vor dem Frühstück die Hüxtertor ruderfertig und stellten fest, wie praktisch eingelassene Flaschenkästen an jedem Platz sind und vor allem, wie viele schöne Dinge sie doch aufnehmen können. Der Lübecker oder auch seine Gäste sind sehr fotografierwütig, und so konnten wir uns nicht davor wehren, ausgiebig von Fremden mit Handy und Kamera verewigt zu werden. Wir fuhren um die Altstadt herum, vorbei am Holstentor, an vielen Kirchspitzen und an erwachenden Häusern und Restaurationen… und schließlich kurz vor dem Ziel an der Lübecker Rudergesellschaft von 1885 e.V. (Vereinsfarbe Blau und auch hier gibt es die Lübecker Frauen-Ruder-Gesellschaft von 1907 e.V.), wo sich die ersten Samstagsfrüh-Ruderer und Ruderinnen fertig machten.

Während des Frühstücks konnten wir Bekanntschaft mit den Besitzern und Besitzerinnen unserer beherbergenden Klubs schließen, aber es blieb beim Smalltalk, da auch hier die Boote gewässert werden sollten und die Mannschaften – jeweils getrennt nach Vereinen - losfuhren. Hilfreiche Informationen zum Weg hin zum Ratzeburger See gab es reichlich. Die meisten bezweifelten, dass wir hinkommen, da der verbindende Stich gesperrt war und das Boot umgetragen werden musste.

Nach dem Frühstück ging es zurück zum blauen Verein und wir erhielten dort einen sehr schönen Umtragewagen. So praktizierten wir wortwörtliches Wanderrudern: Die Hüxtertor wurde erst aus dem Wasser genommen, dann ging es etwa 200 m über Land und den Berg hinauf, über eine richtig befahrene Verkehrsstraße hinweg und danach 100 m den Hügel hinab zum Zuleitungskanal, wo wir wieder einsetzten. Weiter ging es an hübschen Häusern vorbei und das mitten im Kanal gelegene Bauschiff stellte auch keine Hürde dar. Die Wakenitz, Grenzfluss zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommfern, ist heute teilweise Landschaftsschutzgebiet und wunderschön. Schöne Bilder wie eine Schwanenmutter mit 7 Jungen, wagemutige schwimmende Hunde oder aber wunderschöne Seerosen begleiteten uns auf unserem Weg, ebenso die fotografierwütigen Touristen auf den wenigen Ausflugsschiffen oder vom Ufer aus, denen wir nicht entkamen. Leider konnten wir nicht immer sofort Stilruderhaltung aufbauen und entschuldigen uns bei unseren zahlreichen Fans dafür. Auf dem Ratzeburger See entschlossen wir uns schnell zur Umkehr, denn die Hüxtertor wiegte sich bedenklich zwischen den Schaumkämmen. Vor dem heranziehenden Platzregen fanden wir Zuflucht im Fährhaus Rothenhusen und gestärkt machten wir uns auf den Heimweg durch die malerische Landschaft. Auch das obligatorische Umtragen wurde mit vereinten Kräften geschafft, somit machten wir dem Wanderrudern alle Ehre.

Am Abend gingen wir in die Stadt. Der dort stattfindende Christopher Street Day wies uns schon von weitem musikalisch den Weg. Im Schnelldurchlauf schlenderten wir die folgenden Sehenswürdigkeiten ab: Holstentor, Petrikirche, den Markt, die Marienkirche, das Buddenbrookhaus, die St. Jakobi Kirche, das Heiligen-Geist-Hospital. Inzwischen war Ivys Gepäck in Island gefunden worden, leider konnte sie der Bitte des Fundbüros Reykjavik nicht nachkommen, es sich persönlich vor Ort abzuholen. Nach abendlicher Stärkung ging es zurück zum Verein, den wir mit den ersten Regentropfen erreichten.

Der nächste Tag führte uns die Trave flussaufwärts. Die Aussicht, auf dem Heimweg segeln zu können, machte das Kastenrudergefühl gegen den Wind und die Strömung erträglicher. Neu war allen, dass sich die Anwohner nicht mit Schildern wie „Warnung vor dem Hunde“, sondern „Vorsicht Schlangen“ zu schützen versuchten. Wir haben es nicht ausprobiert. Leider erwies sich der Wettergott als Spielverderber. Der strömende Regen schwächte den Wind ab, so dass wir auf dem Rückweg Wasser von überall hatten und froh waren zu rudern, um nicht zu frieren. Es kam wie es kommen musste: Als die Hüxtertor aus dem Wasser genommen und geputzt wurde, war der Regen vorbei.

Nach ausgiebiger Dusche ging es heim. Ungewöhnlich für diese Wanderfahrt: Wir konnten direkt nach Hause fahren und mussten keine Boote abladen und putzen.

Übrigens: Ivys Gepäck fand seinen Weg nach Berlin zurück zu seiner Besitzerin…

Letzte Aktualisierung / last update: 10.12.2017