Was ist so faszinierend am Wanderrudern?


Wer diese Sportart und unseren Verein nicht kennt, weiß gar nicht, was ihm entgeht! Wanderrudern bei Turbine empfinde ich als sehr vielfältig. Es gibt diverse Boote zur Auswahl, man kann „sportlich“ oder „gemütlich“ rudern, das jeweilige Tagesziel der Mannschaft im Boot anpassen, in den Wintermonaten verschiedene Sportangebote nutzen und sich, wenn gewünscht, in mehreren Wettkämpfen messen. Es gibt die Tagesfahrten sowie mehrtägige Wanderfahrten mit unterschiedlichen Anforderungen und in Kombination mit kulturellen Erlebnissen. Gerudert wird im heimischen „Ruderparadies“ und es werden immer mehr Wasserstraßen anderer Bundesländer sowie im Ausland erobert. Die Turbiner lieben auch das Miteinander, die geselligen Abende und Veranstaltungen, machen „Thekendienst“ und arbeiten nicht nur bei Arbeitseinsätzen an der Erhaltung der Boote und des Vereinshauses.

In der Stille und Einsamkeit der Natur, wenn sich Leidenschaft und Stille begegnen, kann man sportlich aktiv sein, dabei auch mal seine Gedanken kreisen lassen und im Ergebnis Kraft und Erholung schöpfen. Wanderrudern ist aber auch jedes Mal eine neue Herausforderung, denn um gemeinsam zum Ziel zu kommen braucht es das erfolgreiche Zusammenspiel derer, die „alle in einem Boot“ sitzen. Bis jetzt hat das für mein Empfinden immer ganz gut geklappt. Denn unsere flexiblen Turbine-Sportler erschrecken weder vor Kälte noch Regen, Hitze oder Wellen, auch nicht vor den kleinen „Wehwehchen“. Den Spruch „Das Wetter wird am Steg gemacht“ hörte ich schon so oft und er stimmt, denn wir wurden oft mit schönem Wetter belohnt. Lag plötzlich ein Baum quer über den Fluss, wurde die mitgenommene Axt benutzt. Bei starkem Wind wurden Skulls sowie Regenschirme zu Segeln und die Beine hochgelegt. Und es wurde immer gern im Boot geredet und manch hilfreicher Tipp von erfahrenen Ruderern weitergegeben. So wurde es nie langweilig.

Besonders beeindruckend empfand ich die absolute Stille der Natur und das Glitzern der Sonnenstrahlen oder der Lichter des Abends auf dem Wasser während unserer Fahrten bei Sonnenaufgang, welche bei Turbine gern als „Frühstücksrudern“ angeboten werden, bei Sonnenuntergang und bei den beliebten Mondscheinfahrten. Bei Wanderfahrten wurden für mich auch kleine Dinge des Alltags besonders. Der auf dem Campingkocher zubereitete Instant-Kaffee schmeckte mir plötzlich, denn es gab Kaffee! Sprühnebel und Fahrtwind fühlten sich an wie ein Peeling für mein Gesicht. Regen war schnell vergessen, wenn danach ein doppelter Regenbogen am Himmel erschien. Das Holzsammeln im Wald machte umso mehr Spaß, wenn danach ein knisterndes Lagerfeuer Wärme spendete und wir alle fröhlich im Kreis darum saßen. Im Vorbeirudern entdeckte ich Blumen, die sich ganz besondere Stellen am Ufer ausgesucht hatten, oder Bäume, die wie für ein Postkartenmotiv in die Landschaft drapiert wurden. Manche Tiere schienen zu grüßen und unserem Boot hinterherzuschauen.

Schön ist, dass ich mit meiner Leidenschaft für diese Sportart nie allein war. So manche bewundernde Aussage vernahm ich schon im Boot, zB. „Ist das schön hier.“ „Wie das Wasser duftet.“ „Wie ein Waldspaziergang auf dem Wasser.“ „So ein toller Sonnenuntergang.“ „Wir warten mal noch, bis der Mond wieder zu sehen ist.“ „Das Tollste war der Adler mit dem Fisch.“ „So viele Sterne am Himmel sieht man bei uns nicht.“ Ein Trainingstag am Donnerstag wurde oft „wie ein Kurzurlaub“ beschrieben.

Das ist wohl das Besondere an diesem wunderschönen Sport.

Sabine Duhrmann